............................................................Wir Bergmänner wohnen seit 1995 in Garvensdorf .....................................................................

Es ist nicht einfach sich hier in Mecklenburg etwas aufzubauen, wenn man seine Heimat ( Sachsen ) und seine Familie verlassen hat. Die Landschaft, das Wetter, Jahreszeiten prägen die Freude und das Leiden im Alltag. Wir haben nie den ersten warmen Frühlingstag, an dem man in der Sonne sitzt und einen Kaffee schlürft, so sehnlich erwartet wie hier all die Jahre in Mecklenburg. Man wird sensibel. Sensibel dem Lärm gegenüber, wie auch der Natur. Traktoren, Motorsensen, Kreissägen ein Graus für die Ohren. Er scheint nicht, in diese Geräuschkulisse zu gehören. Jeder Brutplatz eines Vogels wird immer bedeutender. Dieses Jahr haben wir wegen ein paar Gartenrotschwänzchen extra einen neuen Briefkasten gebaut,weil diese ihn belegt hatten. Der alte Efeu wurde an der Fassade nicht beseitigt, obwohl wir sie neu gestrichen haben. Wenig Möglichkeiten Geld zu verdienen - Urlauber und Tourismus sind nun für uns eine Einnahmequelle geworden. Wir wollen ohne erhobenen Zeigefinger etwas von diesen Erfahrungen weitergeben.

In der Zeit habe ich einen Artikel gefunden, der von Schüle geschrieben wurde. Auf Garvensdorf gemünzt habe ich ihn frei übersetzt :

"Garvensdorf, Postleitzahl 18233. Liegt neben Clausdorf, vor Kirch Mulsow  und Klein Mulsow... Eine jener wunderbaren Lindenalleen der mecklenburger Idylle führt ins Dorf. Recht bald begrüßt einen ein höchst reeller Hahn. Die Felder sind halb gemäht, hier und da durchaus geheimnisvolle Kreise. Südliches Goldgelb, irgendwie provenzalisch; auch Grillengezeter. Fahrt durch die Allee, Blick nach vorn: paar Häuser, alter Klinker, DDR-Braunputz, Neubauten auch. Ehrlich gesagt: hm. Kleine Enttäuschung. Garvensdorf hat 120 Einwohner und keine Lust auf Romantik. Landdasein von seiner unverklärbaren Seite, bisschen wie das lieblose Vorspiel zur Großstadt Schwerin. Alle fliehen das Land, heißt es immer, und sie fliehen den Osten. Die Jugend macht sich auf nach Westen, weil im Osten keine Arbeit ist, und wenn die wenige Jugend nicht bleibt, gibt es bald gar keine Jugend mehr, und alles geht ohnehin zu Ende. Dann gibt es nur noch den Tod. Zurück bleiben die Alten und die Kranken und vielleicht so was wie ein Charme des Morbiden.
In den einfachen Häusern von Garvensdorf riecht es nach Vergänglichkeit. "
Wie konnten wir nur hier her geraten?
Wir lieben das Einfache, Ehrliche, das unverstellte Leben.

frei nach Schüle

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